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Kaputte Kindheit – kaputtes Leben?
November 22, 2008  |  Entwicklungs-Psychologie, Psychologie

Frühere Härten sind nicht zwangsläuftig eine Hypothek für die Zukunft

Das zeigen auch Ergebnisse aus Guatemala: In einen abgelegenen Dorf war es üblich, kleine Kinder im ganzen ersten Lebensjahr in den fensterlosen Familienhütten zu halten, weil man dort glaubt, dass Sonne und Luft krank machen. Die Kinder haben kaum Gelegenheit herumzukrabbeln, und es ist auch nicht üblic, dass die Eltern mit ihnen spielen. Wenn diese Kinder nach dem ersten Geburtstag aus den Hütten hinaus dürfen, sind sie entwicklungsmäßig im Vergleich zu amerikanischen Kindern zurück, was körperkiche Fähigkeiten betrifft. Aber mit drei Jahren haben sie voll aufgeholt.

Es gibt jedoch auch schlechte Nachrichten: Frühe Härten können später schädlich sein, wenn es um Sprachvermögen, Intelligenz und seelisch-emotionale Entwicklung geht. Wenn Kinder in den ersten drei Lebensjahren keine Lernmöglichkeiten haben – das heißt: wenn niemand mit ihnen redet, keiner ihnen etwas vorliest, und niemand da ist, der ihnen hilft, ihre Umgebung kennen zu lernen -, dann sind sie bei Sculeintritt hinsichtlich Intelligenz und Sprachvermöge wesentlich hinter anderen Kindern zurück und es ist fraglich, ob sie deren Vorsprung jemals werden aufholen können.

Wie wichtig eine intellektuell anregende Umgebung für die Entwicklung der Intelligenz ist, zeigt eine alte aber berühmt gewordene Studie aus dem Jahr 1939. Eine Gruppe von entwicklungmäßig zurückgebliebenen Waisenkindern wurde in ein Heim für geistig Behinderte gebracht. Dort wurde jedes dieser Kinder einem leicht behinderten Mädchen anvertraut, das als Ersatzmutter fungierte und mit dem Waisenkind viel spielte, redete und ihm alltägliche Dinge beibrachte. Dazu waren, im Gegensatz zu dem überfüllten Waisenhaus, die Räume großzügig angelegt und mit Spielzeug ausgestattet. Sobald die Kinder gehen konnten, besuchten sie einen Kindergarten, in dem sie vielseitige Beschäftigungs-, Spiel- und Lernmöglichkeiten hatten. Nach vier Jahren hatten die Kinder durchschnittlich 32 IQ-Punkte dazu gewonnen; bei einer Kontrollgruppe, die im Kinderheim geblieben war, wurde ein durchschnittlicher Verlust von 21 IQ-Punkte gemessen. Zwangig Jahre später war die geförderte Gruppe immer noch geistig der Kontrollgruppe wesentlich voraus; die meisten von ihnen hatten eine höhere Schulbildung, waren berufstätig, verheiratet und hatten nomal intelligente Kinder. Die meisten Personen der Kontrollgruppe hatten nur minimale Schulbildung und blieben entweder in Heimen oder verdienten nicht ihren eingenen Lebensunterhalt.

Die Studie legt nahe, dass intellektuelle Fähigkeiten zwar angeboren sind, dass sie jedoch günstige Bedingungen brauchen, um sich zu entfalten.


  • 1 Comment


    1. Fehlende menschliche Wärme und Zuneigung ist eigentlich Folter. Vor allem bei Kleinkindern, die hilflos ausgeliefert sind. Aber auch schon Ungeborene im Mutterleib empfinden intensiv, ob sie geliebt werden.
      Das alles weiß man schon lange – ABER ignoriert es. WARUM?

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