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Was Kinder brauchen
November 17, 2008  |  Entwicklungs-Psychologie, Psychologie

Kinder, die in Heimen aufwachsen und nur wenig Umgang mit anderen Menschen haben und sich nur wenig umherbewegen können, lernen erst später sitzen, gehen und stehen als Kinder, die unter günstigeren Bedingungen aufwachsen. So ergab eine Studie in einem Waisenhaus im Iran, dass nur 42 % der Kinder im Alter von 2 Jahren sitzen konnten, und nur 15 % waren mit 4 Jahren fähig, allein zu gehen. Die Kinder wurden im Wesentlichen nur gewaschen und gefüttert, aber sonst gab sich niemand mit ihnen ab.

Man wollte nun den positiven Beweis: Wenn man mit Kindern spielt, entwickeln sie sich besser und schneller. Dafür wurde ein Gruppe von Kindern weiter behandelt wie vorher, die andere Gruppe durfte – oder musste – eine Stunde am Tag spielen, die Kinder wurden aufgesetzt und man gab ihnen Spielzeug. Schon nach einem Monat zeigte die “Spiel-Gruppe” signifikante Vorsprünge in ihrer Entwicklung.

Wir wissen, dass Säuglinge Unterhaltung brauchen, und wenn sie schreien, sagen genervte Mütter oft: “Der will nur Unterhaltung”. Experimente haben gezeigt, dass die Kleinen nicht vergnügungssüchtig, sondern bildungshungrig sind. Durch ein paar Maßnahmen, die man außerhalb des Labors als “Unterhaltung” einstufen würde (das Kind wird auf den Arm genommen, aufgesetzt, auf den Bauch gelegt, so dass es auch etwas anderes sehen kann als die Zimmerdecke; die Bettwäsche wird von weiß auf bunt gemustert gewechselt und bunte Mobiles werden über dem Bett aufgehängt) gewannen die Babys einen Entwicklungsvorsprung von anderthalb Monaten im Vergleich zur Kontrollgruppe. In einem jedoch blieben sie zurück; Sie entdeckten ihre Hände als Studienobjekt erst ein halbes Jahr später als ihre Bildungsrivalen. Man nimmt an: Wenn Kinder nicht Besseres anzuschauen haben, beschäftigen sie sich mit ihren Händen.

Natürlich gibt es zu jeder Studie eine Gegenstudie, bisweilen bringt eine Studie auch widersprüchliche Ergebnisse. So stellte man in dieser “Unterhaltungsstudie” fest, dass Kinder auf zuviel Stimulation gestresst reagieren – sie sind offenbar noch nicht so weit, die Aufregungen zu verarbeiten. Als man die “Unterhaltung” dem Alter anpasste – mit jedem Monat mehr -, ergaben sich die besten Entwicklungsverläufe.


  • 1 Comment


    1. Aber auch bei Kindern, die nicht in Heimen sondern in einer Familie aufwachsen, kann man das gleiche feststellen > werden Kinder nicht individuell positiv motiviert und gefördert, verkümmert ihr Antriebswille, neu Dinge zu entdecken und auszuprobieren. Dadurch bleiben sie in der Weiterwicklung zurück. Kindliche Neugier und ihr Gefühlsleben verkümmert.
      Kinder, allein auf sich gestellt, weil Erwachsene keine Zeit oder Interesse haben, haben später die schlechtesten Voraussetzungen für ein glücklich und erfülltes Leben.

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