Wir wissen, dass der Arm Teil unseres Körpers ist, aber die Stuhllehne, auf der er ruht, nicht. Wir erkennen unseren Hut, egal ob er auf dem Tisch liegt oder an der Garderobe hängt. Wir wissen: wenn wir die Straße überqueren, um wegzugehen, müssen wir sie wieder in die andere Richtung überqueren, um zurückzukommen. Wir wissen, dass eine Bleikugel schwerer als eine Plastikkugel, und wir wissen deshalb auch, dass wir kräftiger zupacken müssen, wenn wir die Bleikugel aufheben wollen.
All das und vieles mehr wissen wir. Doch woher wissen wir das und vor allem: Wie haben wir das gelernt? Denn all die selbstverständlichen Dinge, die soeben aufgezählt wurden, müssen Kinder erst lernen.
Hier das Stufenmodell der kognitiven Entwicklung nach Piaget:
Stufe 1: Sensomotorisch (bis 2 Jahre) >> Begreifen der Welt, erste Zusammenhänge erkunden. Unterscheidung von Ich und Nicht-Ich, “Objektpermanenz”
Stufe 2: Präoperational (2-7) >> Einfacher Gebrauch von Sprache und von Symbolen
Stufe 3: Konkret-Operational (7-11) >> “Mengenkonstanz”, Klassifizierung nach Größe und Gewicht
Stufe 4: Formal-Operational (ab 11) >> Symbolisches Denken, Gedankenexperimente, sich in anderen hineindenken; die Welt von verschiedenen Blickpunkten sehen
Sensomotorische Stufe:
In dieser Stufe, die meist bis zu einen Alter von 2 Jahren anhält lernt das Kind die sogenannte “Objektpermanenz” kennen. Unter “Objektpermanenz” versteht man, dass z.B eine Flasche immer die gleiche ist, egal ob sie weit oder nah entfernt ist. Auch das Wissen, dass ein Gegenstand trotzdem existiert, auch wenn man diesen nicht gegenwärtig wahrnimmt ist Bestandteil der sogenannten “Objektpermanenz”. In der sensomotorischen Stufe erforschen die Kinder sehr stark ihre Umwelt durch Tasten oder Fühlen, und lernen diese zu begreifen.
Präoperationale Stufe:
Das Kind eignet sich mit der Zeit ein rationales und logisches Denken an und gebraucht bereits Sprache und Symbole. Die Umwelt wird noch sehr subjektiv betrachtet zudem diese Entwicklungsstufe noch einen sehr Egozentrischen Charakter aufweist, was auf die unvollständige Unterscheidung vom “Ich” und der Umwelt zurückzuführen ist.
Konkret-Operationale Stufe:
Die “Mengenkonstanz” wird erlernt, d.h eine Kartoffel hat z.b die gleiche größe, ob sie jetzt in vier Teile zerteilt ist oder im Stück verzehrt wird. Primär werden sich jedoch komplexe, logische Denkensweisen angeeignet.
Formal-Operational:
Kinder sind bereit, Hypothesen zu bilden. Sie können sich gedanklich die Frage stellen: “Was wäre wenn…” ohne dies in die Praxis umsetzen zu müssen. Praxisnahe Situationen können demnach im Kopf vollzogen werden und man ist in der Lage, das Ergebniss aufgrund des logisches Denkens, zu erschließen.